Prozess

Die Gerichtsverhandlung

Am 27. Mai 2003 hat der Prozess, nach ca. 1 1/2 Jahren Warten begonnen und fast einen Monat länger gedauert als vom Gericht veranschlagt. Am 29. September 2003, nach 19 Verhandlungstagen, ist dann endlich das Urteil gesprochen worden. Der Mörder von Melanie ist zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden aber die besondere Schwere der Schuld wollte das Gericht nicht feststellen, aus welchen Gründen auch immer. Die Verteidigung hat dann nach einer Woche die Revision beantragt. Das Gericht hat jetzt etwa ein halbes Jahr Zeit für die schriftliche Urteilsbegründung. Nach dem das Urteil schriftlich vorliegt, muss der Verteidiger, innerhalb von vier Wochen, die Revisionsbegründung einreichen. Dann geht das Urteil zum Bundesgerichtshof (BGH), dort wird dann über eine Revision entschieden. Das bedeutet, dass das Urteil, bis zur Entscheidung vom BGH, nicht rechtskräftig ist und der Mörder noch kein ‚Mörder‘ ist und er weiter in Untersuchungshaft bleibt. Das heißt für ihn, weiter die Vorzüge der Untersuchungshaft und für uns, die bleibende Ungewissheit, wie man den Mord von Melanie bestrafen wird.

Das die besondere Schwere der Schuld vom Gericht nicht festgestellt wurde, ist für uns alle nicht nachvollziehbar. Nach dem, was die Gerichtsmedizin und die Polizei zu dem Verbrechen geschildert haben, was durch die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft bekannt wurde und das Verhalten des Angeklagten während der Gerichtsverhandlung, muss man sich fragen, was noch passieren muss, damit ein Gericht die besondere Schwere feststellt. Die Tat ist mit absoluter Menschenverachtung und keinem Respekt vor dem Leben durchgeführt worden. Der Angeklagte hat während der Gerichtsverhandlung versucht die Zeugen einzuschüchtern und einen Tisch umgetreten, hat uns angegrinst, als ob er sich über unsere Trauer lustig macht. Die Begründung des Gerichts war aber, dass der Angeklagte Reue gezeigt hat. Es ist zwar richtig, dass der Mörder sich entschuldigt hat und er auch bedauert hat, dass es dazu gekommen ist aber wie glaubwürdig ist das. Eine Entschuldigung kann hier vor Gericht anscheinend noch Wunder bewirken und dass ist zumindest dem Verteidiger bewusst. Das Argument, dass es nicht so weit hätte kommen sollen, ist durch die zweite, fast identische Tat in Belgien auch widerlegt, wenn es wirklich nicht so weit hätte kommen sollen und er es wirklich bereut, dann kann er doch unmöglich zwei Wochen später fast die gleiche Tat noch einmal begehen.

Betrachtet man die Gerichtsverhandlung als Ganzes, dann wird einem bewusst wie viele Rechte ein Angeklagter, der sogar die Tat eingesteht, noch hat. Er kann sich im Gerichtssaal, zumindest anfangs, frei bewegen. Wenn er Zeugen anschreit hat er keine Konsequenzen zu erwarten. Er braucht nicht, so wie alle, aufzustehen, wenn das Gericht eintritt. Er kann, wenn ihm nicht gut ist die Gerichtsverhandlung unterbrechen. Rechte, die der Nebenklage nicht zugute kommen und dieses Verhalten wird ihm beim Urteil noch positiv bewertet.

Wir können nur hoffen, dass der BGH bei seiner Wahrheitsfindung den Angeklagten etwas besser durchschaut als das Göttinger Landgericht, doch leider ist eine Verschlechterung des Urteils für den Angeklagten nicht mehr möglich. Denn wohl kein Richter, außer diesem, würde solch einen Mörder wieder auf die Menschheit los lassen.

Bastian Klammer

Die Revision wurde am 03.03.04 vom BGH abgewiesen, damit ist das Urteil rechtskräftig.

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